Über uns
„ ....Während des Schachweltmeisterschaftskampfes zwischen Boris Spasski und Robert Fischer in Reykjavik (Island) erhielt ich nachts gegen 23 Uhr einen Anruf in Köln - ich war damals als Verlagsvertreter in Nordrhein-Westfalen unterwegs - . Dieser Anrufer war ein sehr guter Freund von mir, Dr. Peter Beyersdorf (Nachrichtenredakteur im DLF). Er sagte mir, dass die Schach WM großes Interesse auf sich zieht.
Beim Lesen der Berichte kam ihm die Idee, ein Buch über den Wettkampf zu schreiben. Ich sollte darüber nachdenken. Durch meine guten Kontakte zum Buchhandel habe ich mich am Folgetag sofort erkundigt und wurde in der Absicht bestärkt, ein Buch zu produzieren.
Der Titel war mir schon klar ‘Der Bauer war vergiftet’.
Peter Beyersdorf erstellte in einer Superzeit das Manuskript und die Druckerei war Spitze, druckte schnellstens. Drei Tage nach Ende des Wettkampfes lag das Buch vor. Es rollte nach Auslieferung der ersten drei Tausend Bücher eine Welle von Bestellungen auf uns zu. Innerhalb von 14 Tagen wurden 24 000 Stück verkauft - gleichzeitig ein Verlag gegründet - mit allen Konsequenzen!
Nach Beendung des Booms saß ich da: Ich hatte einen Verlag, aber keine Bücher. Während meiner Reise kam ich nach Neheim-Hüsten. Dort hatte der Bundesligaschachspieler Manfred van Fondern eine Buchhandlung. Beim Besuch dieser Buchhandlung sagte er mir, dass mein verlegtes Büchlein eine katastrophale Leistung sei: Es taugte nichts. Nun ja!! Wir verabredeten uns zu einem Glas Bier in einer nahe gelegenen Kneipe und dort entstand die Idee zu der Schachbuchreihe ‘Kleine Schachbücherei’. Manfred van Fondern steuerte die Bände eins und zwei dazu bei.
Das erste wirkliche Buch des Joachim Beyer Verlags wurde der Titel ‘Tipps für Anfänger’. Dieses Buch wurde nach und nach ein Bestseller im Verlag. Noch heute wird es laufend nachgedruckt und liegt bereits in der 12. Auflage vor.
Manfred van Fondern wurde die gute Seele des Verlags; als Berater und Freund des Hauses. Nach und nach entstanden unter seiner Mitarbeit eine ganze Reihe von Schachbüchern. Durch den Zukauf der Schachabteilung des Walter de Gruyter Verlags und die Veröffentlichung neuer Manuskripte entstand einer der größten Schachverlage Europas.
Mein Freund Peter Beyersdorf war natürlich auch immer mit von der Partie. Manches Fest haben wir gemeinsam in Köln gefeiert.
Als zweites Standbein wollte ich noch eine Reihe für Lehrer und Schüler im Verlag herausbringen. Nach langen Überlegen viel uns der Name ‘Analysen und Reflexionen’ ein. Durch meine langjährigen Verbindungen zu meinen Klassenfreunden in der DDR hatte ich die Idee, diese durch Mitarbeit an dieser Reihe ‘Westgeld’ zu beschaffen. Ich fand dort sofort volle Bereitwilligkeit zur Mitarbeit. Über die abenteuerlichen Grenzüberschreitungen mit Manuskripten und Westgeld erspare ich mir hier zu berichten. Auf jeden Fall war auch diese Reihe geboren und durch Mitarbeit eines guten Freundes aus Köln, Reiner Poppe (der jetzt in Belgien lebt), zur jetzigen erfolgreichen Größe ausgebaut.
Eine verlegerische Vorbelastung hatte ich durch meinen Großvater Hermann Beyer, der den gleichnamigen Verlag in Leipzig gründete und acht Verlage dazukaufte. Der Bange Verlag in Hollfeld wurde der Nachfolger des Leipziger Hauses, welches während der DDR-Zeit zerstört wurde.
Nach nunmehr fast 40 Jahren, in denen sich der Joachim Beyer Verlag zu einem führenden Schachverlag in Deutschland entwickelte, stand eine schwerwiegende Entscheidung an. Wer sollte meine Nachfolge antreten?
Alle Ermunderungsversuche an meine Kinder, die ja Fachwissen geerbt und gelernt hatten, nutzten nichts. So blieb mir nichts anderes übrig, als einen fachlich versierten und geeigneten Käufer für den Verlag zu suchen. Da ich nicht wollte, dass der Joachim Beyer Verlag ausverkauft wird und von der Bildfläche verschwindet, sollte der Nachfolger möglichst selbst Verleger sein. Denn so hatte ich die Hoffnung, dass zumindest der Verlag erhalten bleibt. Ich hoffe, dass ich mit meiner Entscheidung auch für meine vielen, treuen Kunden das Richtige getan habe. Zum Jahreswechsel 2011/12 wurde der Joachim Beyer Verlag an meinen langjährigen Geschäftsfreund und Verlagskunden Robert Ullrich aus Eltmann verkauft.
(Joachim Beyer)
Robert Ullrich, selbst Inhaber eines Schachhandels und eigenen Schachverlags, führt nunmehr die Geschäfte fort und möchte den Joachim Beyer Verlag in eine erfolgreiche Zukunft führen.
Wir wünschen Joachim Beyer für seinen wohlverdienten Ruhestand noch viele Jahre, Glück und Gesundheit im Kreise seiner Familie.
(Robert Ullrich)



